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Von Studis gegründet - für Studis da

Studierendenwerke für Studierende

Von Studierenden gegründet – aus Not, aus Bedürfnis, aus Solidarität

Am Donnerstag, 21. September 1950 gründeten in Mainz drei Studierende gemeinsam mit dem Rektor, mehreren Professoren und einem Vertreter der Universitätsverwaltung den Verein „Studentenwerk der Universität Mainz e. V.“. Die Universität selbst war erst wenige Jahre zuvor, am Mittwoch, 15. Mai 1946, wiedereröffnet worden; im Wintersemester 1950/51 studierten bereits knapp 5.000 Menschen in Mainz. 

Das Mainzer Studierendenwerk wurde aus einem einfachen Grund gegründet: Studieren war ohne soziale Infrastruktur kaum möglich. Es fehlte an Wohnraum, an Verpflegung und an finanzieller Unterstützung. In Mainz entstanden deshalb früh genau die Angebote, die Studierende am dringendsten brauchten: Mensa und Wohnheime sowie mit der bereits 1949 gegründeten Notgemeinschaft Studiendank eine erste Form studentischer Finanzhilfe. Die Stadt Mainz war vom Krieg gezeichnet, die Wohnmöglichkeiten waren knapp, die Verhältnisse eng, improvisiert und für viele Studierende belastend. Mensa, Wohnen und finanzielle Hilfe waren deshalb kein „Extra“, sondern eine Voraussetzung dafür, dass Studium überhaupt möglich wurde.

Die Anfänge waren hart. Wer heute über den Campus geht, ahnt oft nicht, unter welchen Bedingungen Studierende damals ihr Studium begannen. In der frühen Nachkriegszeit mussten Studierende in Mainz Pflichtarbeitseinsätze leisten, um den Lebensunterhalt zu sichern. Es gab Berichte über 150 Arbeitsstunden pro Semester, die auf dem Campus erbracht werden mussten. Hinter den Kasernengebäuden lagen Felder, auf denen Gemüse und Kartoffeln für die Versorgung der Studierenden angebaut wurden — und auch dort halfen Studierende mit. Das Essen war knapp, Lebensmittel waren rationiert, Essensmarken wurden erst 1950 abgeschafft. Gekocht wurde in provisorischen Einrichtungen, und auf den Tellern landeten oft Eintöpfe in immer neuen Variationen.

Gerade darin liegt die eigentliche Geschichte des Studierendenwerks Mainz:
Es wurde nicht gegründet, weil jemand eine neue Verwaltungseinheit schaffen wollte.
Es wurde gegründet, weil Studierende essen mussten. Weil sie irgendwo wohnen mussten. Weil sie Unterstützung brauchten. Weil Studium ohne all das nicht einfach „nebenbei“ funktioniert.

Schon vor der eigentlichen Vereinsgründung waren Mensabetrieb und Wohnheime deshalb in Mainz in Eigenregie organisiert worden. Als das Studierendenwerk am Sonntag, 1. April 1951, seine Arbeit praktisch aufnahm, übernahm es die Mensa, drei Wohnheime mit rund 450 Betten sowie die Arbeits- und Zimmervermittlung. Die Mensa der Mainzer Universität gehörte damals bereits zu den größeren Verpflegungsbetrieben in Rheinland-Pfalz. Auch jenseits von Essen und Wohnen war Unterstützung nötig: Für finanzielle Hilfe gab es in Mainz mit der bereits 1949 gegründeten Notgemeinschaft Studiendank schon früh eine eigene Struktur.

Mainz ist Teil einer viel größeren Geschichte

Was in Mainz 1950 geschah, war kein Einzelfall. Die Studierendenwerke in Deutschland sind insgesamt aus einer studentischen Selbsthilfebewegung entstanden. Bereits 1919 und 1920 gründeten Studierende gemeinsam mit Lehrenden sowie Unterstützerinnen und Unterstützern an mehreren Hochschulorten erste Hilfseinrichtungen, weil viele Studierende nach dem Ersten Weltkrieg kaum wussten, wie sie ihr Studium finanzieren, wo sie wohnen oder wie sie sich regelmäßig eine warme Mahlzeit leisten sollten. Menschen schlossen sich zusammen, um genau diese Lücken zu schließen: mit Mensen, Wohnungsvermittlung, Darlehen, Gesundheitsfürsorge und weiteren Hilfen.

Die Grundidee war dabei von Anfang an bemerkenswert modern: Selbsthilfe statt Almosen. Solidarität statt Zufall. Das sogenannte „Erlanger Programm“ von 1921 betonte ausdrücklich die Hilfe zur Selbsthilfe und prägte damit die jungen Studierendenwerke in Deutschland. Organisiert waren viele dieser Einrichtungen zunächst als Vereine. Es waren also nicht staatliche Behörden, die zuerst handelten, sondern Menschen aus der Hochschule selbst — vor allem Studierende, die ihre sozialen Bedingungen nicht dem Zufall überlassen wollten. 

In diesem Sinn steht Mainz ganz unmittelbar in dieser deutschen Tradition. Auch hier entstand das Studierendenwerk aus einem konkreten Mangel heraus: aus Wohnungsnot, aus Versorgungsproblemen, aus dem Bedürfnis, Lernen, Leben und Überleben miteinander vereinbar zu machen. Mainz hat diese Geschichte etwas später und unter den besonderen Bedingungen der Nachkriegszeit erlebt — aber der Kern ist derselbe wie an anderen Hochschulorten in Deutschland: Studierende haben Strukturen geschaffen, weil sie sie brauchten.

Was sich verändert hat — und was geblieben ist

Natürlich ist das Studierendenwerk Mainz heute nicht mehr der kleine Verein der Anfangsjahre. Es wurde später in eine rechtsfähige Anstalt des öffentlichen Rechts überführt und ist heute für die Studierenden von drei Hochschulen zuständig: der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, der Hochschule Mainz und der Technischen Hochschule Bingen. Ihr gesetzlicher Auftrag ist im Hochschulgesetz Rheinland-Pfalz festgeschrieben: Studierendenwerke sollen Studierende sozial betreuen sowie wirtschaftlich und kulturell fördern. Dazu gehören ausdrücklich auch die Unterstützung internationaler Studierender, die Förderung der Vereinbarkeit von Studium und Familie sowie Hilfen in besonderen Lebenslagen. 

Und doch ist Entscheidendes gleich geblieben.

Noch immer geht es beim Studierendenwerk Mainz um das, was Studierende neben und für ein Studium wirklich brauchen: bezahlbares Essen, bezahlbaren Wohnraum, Unterstützung in finanziellen Notlagen, Hilfe bei der Vereinbarkeit von Studium und Familie, Möglichkeiten für Begegnung und ein Stück Verlässlichkeit im Alltag. Heute gehören dazu neben Mensen, Cafés, Wohnheimen und Finanzhilfen auch Campus-Kitas sowie Freizeit- und Begegnungsangebote. Aber all diese Angebote folgen demselben Gedanken, aus dem heraus das Studierendenwerk Mainz einst entstanden ist: Studieren soll nicht am Alltag scheitern. 

Daran erinnert auch, dass das Studierendenwerk ihre Wurzeln in der studentischen Mitgestaltung beibehalten hat. Schon bei seiner Gründung saßen Studierende mit am Tisch. Und auch heute gibt es mit dem Verwaltungsrat ein Gremium, in dem Studierende ihreStimmen haben und studentische Perspektiven Teil der Struktur sind. Gerade das passt zur Geschichte des Studierendenwerks Mainz: Es war nie nur eine Einrichtung für Studierende, sondern immer eine Einrichtung, die aus den Interessen und Bedürfnissen von Studierenden heraus arbeitet.

Gemeinwohl statt Gewinn

Das Studierendenwerk Mainz wurde nicht gegründet, um Geld zu verdienen, sondern um Studierenden das Studium zu ermöglichen. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Wir müssen wirtschaftlich arbeiten — aber nicht, um Gewinne zu erwirtschaften, sondern um unsere Angebote bezahlbar und verlässlich zu halten. Einnahmen werden bei uns nicht zum Selbstzweck, sondern dienen dazu, Mensen, Wohnheime, Hilfsangebote und Unterstützung im Studienalltag zu finanzieren. Die frühe Mitgliedschaft im Paritätischen Wohlfahrtsverband zeigt, wie nah das Studierendenwerk Mainz von Anfang an an der Idee sozialer Verantwortung und gemeinwohlorientierter Hilfe stand.

Warum diese Geschichte heute noch wichtig ist

Vielleicht ist das die schönste und zugleich wichtigste Botschaft dieser Geschichte:
Wenn du heute in der Mensa isst, dich auf ein Wohnheimzimmer bewirbst, finanzielle Hilfe beantragst oder als studierendes Elternteil Unterstützung suchst, nutzt du nicht einfach irgendein Angebot. Du nutzt etwas, das frühere Studierende mit angestoßen, mit aufgebaut und mit erkämpft haben.

Das Studierendenwerk Mainz ist also nicht einfach „zuständig“.
Es ist Teil einer gewachsenen studentischen Solidarität.

Und genau deshalb lohnt es sich, diesen Gedanken festzuhalten:
Das Studierendenwerk Mainz wurde von Studierenden gegründet, weil Studierende es brauchten.
Und es ist bis heute da, weil Studierende solche Unterstützung weiterhin brauchen.

Heute unterstützt das Studierendenwerk Mainz rund 39.000 Studierende in Mainz und Bingen mit Mensen und Cafés, Wohnheimen, Finanzhilfen, Campus-Kitas, Beratung sowie Freizeit- und Begegnungsangeboten. Vieles ist professioneller, größer und vielfältiger geworden als 1950.